Hygiene-Frage der Woche

Mit dieser Rubrik der Hygiene-Akademie möchten wir Sie teilhaben lassen an unserem Beratungs-Alltag, der von vielen Fragen geprägt ist. Gleichzeitig nutzen wir hier das „Problem orientierte Lernen“ (POL), eine sehr effektive und nachhaltige Art des Wissenstransfers, um die alltäglichen krankenhaushygienischen Fragestellungen zu bearbeiten.

 

KW 39
Aktuelle Frage

Die Oberfläche unserer Zustellbetten ist nicht mehr intakt – die Lackbeschichtung ist zum Teil ab, es gibt Beschädigungen der Oberfläche. Wie sollte aus hygienischer Sicht verfahren werden?

 

Antwort

Oberflächen in Bereichen mit Patientenkontakt sollten abwischbar und desinfizierbar sein. Unbehandelte Holzoberflächen oder Materialien mit Rissen etc. sind einer Wischdesinfektion nicht zugänglich und können so Mikroorganismen Schutz bieten.
Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch Institut gibt dies in ihrer Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen“ ebenfalls vor.
Daher ist aus hygienischer Sicht anzuraten, die defekten Betten so auszubessern/auszutauschen, dass eine Wischdesinfektion der Oberflächen möglich ist. Dies kann bei Holzoberflächen z.B. durch eine Beschichtung / Lackierung erreicht werden. Bei Neuanschaffung sollte auf eine Abwischbarkeit und Desinfizierbarkeit sowie auf eine Verträglichkeit des Materials mit den verwendeten Desinfektionsmitteln geachtet werden. Auf Holz als Material sollte dann möglichst verzichtet werden.

Literatur:
„Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen“, Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2004 · 47:51–61

Dr. Edgar Sattinger

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Archiv

KW 38

Wir benutzen zur Zubereitung von Säuglingsmilch aus Pulver in einem Krankenhaus Mineralwasser, das den Zusatz „zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“ trägt. Muss dieses abgekocht werden?

Leitungswasser und auch kommerzielles Mineralwasser sind keine sterilen Produkte.
Daher sollte nur abgekochtes Wasser zur Zubereitung der Nahrung für Säuglinge in den ersten Lebensmonaten verwendet werden. Dies gilt insbesondere auch bei immunsupprimierten Säuglingen.
Mineralwasser aus Flaschen sollte - auch wenn es den Vermerk trägt „zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“ – vor der Zubereitung abgekocht werden.

 

Literatur:
Empfehlungen zur hygienischen Zubereitung von pulverförmiger Säuglingsnahrung, Stellungnahme Nr. 040/2012 des BfR vom 6. November 2012
https://www.who.int/foodsafety/document_centre/PIF_Care_en.pdf?ua=1 “How to Prepare Powdered Infant Formula in Care Settings”, WHO 2007

Dr. med. Edgar Sattinger

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KW 37

Was ist bei der Verwendung von flexiblen Endoskopen, die dem Krankenhaus als Leihgerät zur Verfügung gestellt werden, zu beachten?

Gemäß der gemeinsamen KRINKO-/ BfArM-Empfehlung muss der Betreiber des jeweiligen Medizinprodukts die jährliche Beprobung jedes in der Klinik/Abteilung verwendeten flexiblen Endoskops sicherstellen. Dies gilt uneingeschränkt auch bei der Verwendung von Leihgeräten: Auch hier liegt diese Verantwortung beim Betreiber und nicht wie vielfach angenommen beim Verleiher.

Wir empfehlen daher, in Klinik-internen Verfahrensanweisungen festzulegen, dass die Krankenhaushygiene unmittelbar in den Leihprozess eingebunden ist, um die Beprobung des Geräts nach hausinterner Aufbereitung und vor der Verwendung am Patienten sicherzustellen. Eine Freigabe zur Nutzung sollte erst bei Vorliegen unauffälliger Beprobungsergebnisse erfolgen, da nur so ausgeschlossen werden kann, dass es bei vorhergehenden Nutzungen oder beim Transport zu Schäden an den Geräten gekommen ist, die zu einer unzureichenden Aufbereitung führen können.

Svenja Liebler

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KW 36

Wie wird die desinfizierende Wirkung einer Haushaltsgeschirrspülmaschine sichergestellt?

Eine Haushaltsspülmaschine wird in einigen Einrichtungen auch für die Aufbereitung von Patientengeschirr verwendet, z.B. in Arztpraxen, Tageskliniken, etc. Dies ist zulässig, wenn ein nachgewiesen desinfizierendes Verfahren genutzt wird.
Um dies zu erreichen, sollte immer ein Programm mit mind. 65°C Temperatur gewählt werden und es sollten keine Kurz- oder Eco-Spülprogramme verwendet werden.
Ein übliches Geschirrreinigungsmittel sollte in der vom Hersteller angegebenen Dosierung genutzt werden. Die Wasserversorgung sollte mit Trinkwasser erfolgen (kein Brunnenwasser).
Der Innenraum, das Schmutzsieb, die Gummidichtungen und die Düsen sollten wenigsten einmal pro Woche und bei Bedarf gereinigt werden.
Um die desinfizierende Wirkung nachzuweisen, sollte halbjährig eine Wirksamkeitskontrolle mit Bioindikatoren erfolgen (Prüfkörper nach DIN). Hierbei werden mit E. faecium kontaminierte Edelstahlplättchen im üblichen Programm gespült, und danach im ZHI-Hygienelabor auf Keimreste überprüft. Bei funktionierender Aufbereitung ist eine Reduktion um 5 log10-Stufen nachweisbar.
Wird lediglich Personalgeschirr gewaschen, ist dies nicht zwingend notwendig.
Bei hohem Geschirraufkommen ist immer die Notwendigkeit der Anschaffung einer Industriespülmaschine zu überprüfen.

Literatur:
„Hygieneanforderungen beim Umgang mit Lebensmitteln in Krankenhäusern, Pflege und Rehabilitationseinrichtungen und neuen Wohnformen“ Empfehlung der DGKH, Hyg Med 2018; 43 (1/2)
„Zur Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention: Anforderungen an die Hygiene bei der Lebensmittelversorgung und ihre Qualität“,
EpiBull Nr. 29, 21. Juli 2006
EU-Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene vom 29.4.2004

Dr. med. Edgar Sattinger

 

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Für weitere Informationen kontaktieren Sie gerne:

Dr. med. Georg-Christian Zinn
Tel.: 06132 781-495
Fax: 06132 781-9571
christian.zinn@bioscientia.de