Hygiene-Frage der Woche

Mit dieser Rubrik der Hygiene-Akademie möchten wir Sie teilhaben lassen an unserem Beratungs-Alltag, der von vielen Fragen geprägt ist. Gleichzeitig nutzen wir hier das „Problem orientierte Lernen“ (POL), eine sehr effektive und nachhaltige Art des Wissenstransfers, um die alltäglichen krankenhaushygienischen Fragestellungen zu bearbeiten.

 

KW 43
Aktuelle Frage

Muss eine AEMP zertifiziert sein, um für Dritte Medizinprodukte
aufzubereiten?

 

Antwort

Nein. Die AEMP muss nicht zertifiziert sein, da sie laut Med-Prod.-Betreiberverordnung und der KRINKO-Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“ sowieso über ein
Qualitätsmanagementsystem verfügen muss. Lediglich wenn die AEMP kritisch C Medizinprodukte für Dritte aufbereitet, muss sie nach DIN 13485 zertifiziert sein.


Dr. med. Georg-Christian Zinn

PDF-Version herunterladen

Archiv

KW 42

Können MRE-Patienten in der prästationären Sprechstunde behandelt werden oder müssen sie in einem gesonderten Bereich für die präoperative Aufklärung und Untersuchung visitiert werden? Was ist zu beachten?

Patienten mit multiresistenten Erregern (MRE) wie z.B. MRSA, VRE oder 3MRGN können das prästationäre Prozedere, wie z.B. Aufklärung über Anästhesie und OP, Anamnese, Untersuchung, EKG etc. in den Räumen einer prästationären Sprechstunde durchlaufen. Bei Patienten mit einem 3MRGN sind Maßnahmen der Basishygiene ausreichend.
Bei Patienten mit MRSA und VRE (und ggf. 4MRGN) sind dabei die folgenden
Punkte zu beachten:

  • Das Behandlungszimmer ist am Ende abhängig vom Umfang der Maßnahmen aufzubereiten.
  • Findet beispielsweise nur ein Gespräch, eine Blutentnahme und das Schreiben eines EKGs statt, ist es ausreichend, die patientennahen Flächen und die benutzten Geräte mit einem Desinfektionstuch abzuwischen. Nach Abtrocknung kann der Raum wieder genutzt werden.
  • Findet eine ausführliche Untersuchung des Patienten oder weiter gehende Maßnahmen statt, sollte der behandelnde Arzt/Pflegekraft einen Schutzkittel und Einmalhandschuhe, ggf. einen MNS tragen.
  • Kommt es zu einer Kontamination des Bodens durch Sekrete etc. ist dieser mit in die Aufbereitung des Raumes einzubeziehen.

Für Patienten mit einem 4MRGN sollte je nach Konfiguration der Sprechstunden-Räumlichkeiten ggf. ein anderer Ort zur prästationären Abklärung gewählt werden, um die Prozesse der Sprechstunde durch die Schlussdesinfektion des Raumes nicht zu unterbrechen.

 

Dr. med. Marc Szczyrba

PDF-Version herunterladen

KW 40

Wie verhält es sich mit Materialien auf einem Spritzentablett, die mit ins Patientenzimmer genommen werden (z.B. für den Fall das man evtl. eine zweite Kanüle benötigt und nicht unnötig wieder hin und her laufen muss) und dann bei dem besagten Patienten nicht benötigt werden. Welche Empfehlung kann dazu abgegeben werden?

Entscheidend hierbei ist die Basishygiene, insbesondere die Händehygiene. Die Materialien, die zur Punktion/Anlage benötigt werden, können kontaminationsfrei vor der Punktion (z.B. nach der hygienischen Händedesinfektion) vom Tablett entnommen werden. Ein Zurücklegen von Materialien auf das Tablett sollte nicht erfolgen. Müll sollte direkt entsorgt und nicht aufs Tablett gelegt werden.Bei diesem Vorgehen müssen die auf dem Tablett verbliebenen Einmalmaterialien nicht entsorgt werden.
Kommt es jedoch trotzdem zu einer sichtbaren oder plausiblen Kontamination, sind die Einmalmaterialien zu verwerfen bzw. bei wiederverwendbaren Materialien desinfizierend aufzubereiten.

Dr. med. Edgar Sattinger

PDF-Version herunterladen

KW 39

Die Oberfläche unserer Zustellbetten ist nicht mehr intakt – die Lackbeschichtung ist zum Teil ab, es gibt Beschädigungen der Oberfläche. Wie sollte aus hygienischer Sicht verfahren werden?

Oberflächen in Bereichen mit Patientenkontakt sollten abwischbar und desinfizierbar sein. Unbehandelte Holzoberflächen oder Materialien mit Rissen etc. sind einer Wischdesinfektion nicht zugänglich und können so Mikroorganismen Schutz bieten.
Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch Institut gibt dies in ihrer Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen“ ebenfalls vor.
Daher ist aus hygienischer Sicht anzuraten, die defekten Betten so auszubessern/auszutauschen, dass eine Wischdesinfektion der Oberflächen möglich ist. Dies kann bei Holzoberflächen z.B. durch eine Beschichtung / Lackierung erreicht werden. Bei Neuanschaffung sollte auf eine Abwischbarkeit und Desinfizierbarkeit sowie auf eine Verträglichkeit des Materials mit den verwendeten Desinfektionsmitteln geachtet werden. Auf Holz als Material sollte dann möglichst verzichtet werden.

Literatur:
„Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen“, Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2004 · 47:51–61 

Dr. med. Edgar Sattinger

PDF-Version herunterladen
 
 

Für weitere Informationen kontaktieren Sie gerne:

Dr. med. Georg-Christian Zinn
Tel.: 06132 781-495
Fax: 06132 781-9571
christian.zinn@bioscientia.de